Edy Krier mit seinem Team und Dean Schauls arbeiten an einer mehrteiligen Dokumentationsserie über die Entwicklung der Piratensender zu den heute legalen Sendern, die dann später auf .dok ausgestrahlt wird. Wenn noch irgendjemand Material aus der damaligen Zeit hat, würden wir uns freuen, wenn sie uns das zur Verfügung stellen könnten. Danke im voraus.
1986 - So begann es ...
24. April 1986
Marc Lenoble, der frühere Besitzer von RFM, liess in der Arloner Strasse in Strassen eine Sendeantenne installieren.
7. Juli 1986
Erste offizielle Sendungen auf 100,3 MHz. Anfangs sendete Radio RFM aus einem Haus in der Arlonerstrasse in Strassen.
Während der Sendung von Ramon Kirsch standen plötzlich die Autoritäten im Studio, um die Radiostation zu schliessen. Es wurde aber an diesem Ort kein Radiosender gefunden, was eigentlich eine Riesenblamage sein sollte. Trotzdem kam es später zu einer Gerichtsverhandlung. Die Animateure fuhren nach dieser Aktion in ihr Sendestudio in Arlon, um den Sendebetrieb einige Stunden nach der Schliessung wieder aufzunehmen.
Gesendet wurde aus dem Haus "Blance" in Arlon, das vom damaligen RFM-Chef Marc Lenoble angemietet wurde. Früher war dies eine Schwimmanstalt, die sich unweit der Autobahn befindet. Die Studios in Strassen wurden immer Produktionsstudios genannt, weil von dort aus angeblich nie gesendet wurde, sondern nur Beiträge produziert wurden.
Radio RFM legte danach eine kleine Sendepause ein. Später sendeten sie aus einem Haus über der Honda-Garage in Howald. Auf dem hohen Dach wurden vier Dipole installiert, womit sich die Sendeleistung, die etwa 600 Watt betrug, vervierfachte.
Radio RFM sendete anfangs auf 100,3 MHz, wechselte dann auf 100,4 MHz. Nachdem Radio Salü in Deutschland den Sendebetrieb auf 100,3 MHz aufnahm, stellte RFM die Frequenz auf 100,45 um. Erst ganz zum Schluss wechselte RFM auf 100,5, da die Techniker feststellten, dass die Störungen, die durch Radio Salü verursacht wurden, doch zu groß waren. Des weiteren betrieb Adrien Jung in Bergem die RFM-Relaisstation auf 107,2 MHz, um den Süden des Landes abzudecken und die Frequenz 102,3 war auch kurzzeitig in Betrieb.
Wissenswert ist auch, dass damals ein heute noch sehr bekannter und aktiver Politiker bei RFM Sendungen machte, der später politisch an der Ausarbeitung des Rundfunkdossiers teilnahm.
Während einigen Wochen mussten sämtliche illegalen Sender aus Luxemburg den Sendebetrieb einstellen, da es zu nicht lokalisierten Störungen des Flugzeugfunkverkehrs kam. Die illegalen Sender wurden von den Betreibern freiwillig ausgeschaltet. Die Sender von RTL blieben auf Sendung, die Störungen des Funkverkehrs blieben allerdings weiterhin vorhanden. Woher die Störungen stammen, wurde offiziell nie geklärt, aber die Gerüchteküche brodelt bis heute.
Als im Jahr 1992 sämtliche Rundfunkbetreiber den Sendebetrieb einstellen mussten, um den neuen legalen Sendern Platz zu machen, gingen die Animateure von RFM getrennte Wege. Einige gründeten den lokalen Sender "Radio Waky", der mittlerweile von den Behörden dichtgemacht wurde. Ramon Kirsch wechselte zu Radio DNR und später zum lokalen Sender Radio Düdelingen. Mike Welter wechselte zu Eldoradio und anschliessend zu Radio DNR, wo er heute noch moderiert. Jim Devans, der damalige Chef von Radio RFM, wechselte zu Eldoradio und ist heute bei Radio 100 Komma 7 tätig. Luc Melson war von Anfang an dabei bis zur Beschlagnahmung des Sendematerials am 2. Oktober 1986.
1986 - RFM-Studios in Strassen
Wir bedanken uns bei Herrn Fleming David für die Fotos!
31. Juli 1986
Jeder Betreiber von den illegalen Rundfunksendern bekam einen Brief vom Staatsanwalt mit folgendem Inhalt: "Je vous somme de cesser avec effet immédiat vos émissions ..."
1. August 1986
Die Verantwortlichen von RFM nahmen die Warnung des Staatsanwalts anfangs sehr ernst und stellten den Sendebetrieb für einen Monat ein.
August 1986 - Unterschriftenaktion gegen Schliessung
Die Zuhörer fuhren ins Studio von RFM um dort an einer Petition gegen die Schliessung von RFM teilzunehmen. Insgesamt kamen dort innerhalb von drei Tagen 14.000 Unterschriften zusammen. Landesweit haben insgesamt 28.000 Leute unterschrieben.
1. September 1986
Der Sendebetrieb wurde wieder aufgenommen. Die Animateure behaupteten, dass auf 100,3 von Belgien aus gesendet wurde und zusätzlich auf 102,3 MHz in Stereo aus Frankreich.
2. Oktober 1986 - polizeiliche Schliessung
Am 2. Oktober 1986 wurde RFM, auf richterliche Weisung hin, von der Polizei geschlossen. Es wurden sämtliche Geräte beschlagnahmt, bis auf den Sender, der nicht gefunden wurde. Fraglich ist, wie man eine illegale Rundfunkstationen betreiben kann, ohne Sender.