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Radioszene - Piratensender
Geschrieben von: Dean Schauls   
Montag, 05. April 2010 um 18:35 Uhr

Durch Anklicken von folgendem Link ist ein Interview mit Abbé Gengler zu hören. Ohne Abbé Gengler hätte es mit hoher Wahrscheinlichkeit kein "Radio Grénge Fluesfénkelchen" gegeben. Ohne die Pioniere von "Radio Grénge Fluesfénkelchen" hätte sich die luxemburgische Radioszene mit Sicherheit nicht so entwickelt, wie sie sich entwickelt hat. Abbé Gengler spielt also eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der Piratensender in Luxemburg, in der Gestaltung und Ausrichtung des Mediengesetzes von 1991 und über die seit 1993 in Luxemburg legal ansässigen Sender.

Die Redaktion bedankt sich ausdrücklich bei Raymond Bisdorff, der viele Sendungen von "Radio Grénge Fluesfénkelchen" auf Kassette mitgeschnitten hat und uns zwecks Digitalisierung zur Verfügung gestellt hat.

Nach und nach wird diese Seite aktualisiert. Es gibt noch soviele interessante Sendungen von damals, die noch digital nachbearbeitet werden müssen, ehe sie hier veröffentlicht werden. Einige Sendungen sind sogar von solcher Brisanz, dass wir uns an dieser Stelle nicht trauen, sie unzensiert zu veröffentlichen.

Es sind zum Beispiel Interviews mit heutigen und damaligen Ministern zu hören. Ausserdem wurde massiv Front gegen die Atomzentrale von Cattenom gemacht. Frauenbewegungen kamen zu Wort und es wurde kritisch über Prostitution in Luxemburg berichtet. Vertreter von Amnesty International wurden eingeladen, es wurde über das Ausländerwahlrecht debattiert und die Gewerkschaften bekamen ein Sprachrohr. Kultur, Theater- und Kabarettveranstaltungen standen auf der Tagesordnung. Des weiteren wurde auch kritisch über den Geheimdienst und über die verschiedenen Staatsorgane berichtet. Landesplanung, Windenergie und Biolandschaft kamen auch nicht zu kurz.

 

Radio Grénge Fluesfénkelchen

(Quelle: Edy Krier)

 

Der Ursprung der luxemburgischen Piratensender war ein mobiler Sender, der 1981 illegal in den Wiesen und Feldern in Arlon betrieben wurde. Jup Weber war der Hauptakteur. Kontinuierlich wurde der Standort gewechselt und nur kurzzeitig gesendet, um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, entdeckt zu werden. Die Reichweite war sehr eingeschränkt. In Arlon konnte man diesen Sender empfangen aber sehr schlecht in Luxemburg.

Danach wurde illegalerweise der Sender im Kirchturm der Saint-Donatus-Kirche betrieben. Die Kirche stand nämlich auf einem Hügel, die "Areler Knippchen" und der Kirchturm war zudem auch noch ziemlich hoch. Dadurch konnte die Reichweite des Senders nochmal erhöht werden. In Luxemburg war der Empfang aber trotzdem nicht so berauschend. Der Priester war eingeweiht, er sperrte den luxemburgischen Radiomachern die Sakristei auf, damit die Radiomacher auf den Glockenturm gelangen konnten. Es wurde ausschliesslich mit Kassetten gearbeitet. Nach 30 Minuten wurde auf der Kassette gesagt, dass jetzt einige Sekunde Pause ist, da die Kassette umgedreht werden muss. Das Material wurde immer vor der Sendung auf den Glockenturm transportiert, die Antenne wurde angeschlossen und nach der Sendung wurde wieder alles schnell abmontiert. Das gesamte Material wurde dauernd zwischen Luxemburg und Arlon hin und her geschleppt. Die Radiomacher hatten grosse Angst, dass ihnen auf diesem Weg und an der Grenze das Material beschlagnahmt werden könnte. Sie waren deshalb sehr vorsichtig, um sich nicht erwischen zu lassen, indem sie mit verschiedenen Autos verschiedene Strecken nach Arlon fuhren und stets den Rückspiegel im Auge behielten. Die Radiomacher von damals sind sich heute noch sicher, dass das ganze vom Geheimdienst observiert wurde und dass sogar Telefone abgehört wurden, was aber nicht nachweisbar ist.

Weil die Reichweite aber nicht zufriedenstellend war, benutzen die Radiomacher einige Monate später die Studios vom legalen Sender "Atelier Radio Arlon".

Im August 2007 zog es den Radiopionier Edy Krier von Radio 104 an den Ort zurück, wo alles im Jahr 1981 begann. Dies hier ist die Eingangstür zu Radio ARA, das für Atelier-Radio-Arlon steht. Es handelt sich um einen Raum, der sich in der "Saint-Donatus-Kirche" in Arlon befindet. Seit Jahren ist dieses Studio nicht mehr in Betrieb. Leider war der Pfarrer nicht aufzufinden, um Edy Krier Zugang zu den Räumen zu verschaffen, wo luxemburgische Radiogeschichte geschrieben wurde.

Carte de Membre Maison de la culture Arlon

Die Sendungen wurden live aus dem Studio vom Atelierradio in der "Saint-Donatus-Kirche" in Arlon (Aarëler Knippchen) ausgestrahlt. Marc Antoine war derzeit Verantwortlicher vom Atelierradio und von der "Maison de la Culture du Sud Luxemburg" in Arlon.

Über der Eingangstür von Radio Arlon hängt immer noch das Schild "Radio ARA 105.3". Ursprünglich war die Sendefrequenz 102.0 MHz. Radio ARA - Atelierradio Arlon ist nicht zu verwechseln mit dem heutigen Radio ARA in Luxemburg.

In den achtziger Jahren sendete Atelierradio Arlon mit 2 Dipolen. Dieser Antennentyp hat sich bewährt, da sich dadurch die Sendeleistung verdoppelt. Auf dem Foto, das die Fassade der Saint-Donatus-Kirche zeigt, ist eine sogenannte Groundplane-Antenne, also ein Rundstrahler, sowie eine Richtantenne mit 2 Elementen zu erkennen, die nur in die Richtung ausstrahlt, wo die Antenne gerichtet ist. Ganz oben befindet sich eine GSM-Antenne, die natürlich auch nachträglich installiert wurde, da es in den achtziger Jahren noch keine mobilen Telefone gab.

"Radio grénge Fluesfénkelschen" war das erste luxemburgischsprachige Programm auf dem Sender vom Atelierradio in Arlon, das neben RTL in luxemburgischer Sprache sendete.

Team Radio Grenge Fluesfenkelschen

Das Team von "Radio grénge Fluesfénkelchen" setzte sich folgendermassen zusammen:
Raymond Bisdorff, Robert Garcia, Danielle Grosbusch, Georgette Muller, Jean-Paul Roden, Jup Weber und Gilles Wunsch.

Ausserdem sendete Edy Krier später auch von Arlon aus mit einer luxemburgischen Mannschaft, die aus folgenden Leuten bestand:
Jean-Marc Calderoni, Jängi Freylinger, Guy und Joel Hencks, Jean-Paul Mander, Eugène, Romain Reinard, Lou Schartz und Pascal Thein.

 

v.l.n.r.: Jup Weber, Raymond Bisdorff, Jean-Paul Roden, ?

Bis zum Juni 1985 setzte sich das Programm folgendermassen zusammen:

 

Programm

Montags 17:00 - 18:00 Slow-Motioun mit Edy Krier
Montags 18:00 - 18:30 Regionalen Nachrichten in französischer Sprache mit Marc Antoine
Montags 18:30 - 20:00 Oldies mit Guy Hencks
Montags 20:00 - 21:00 Country-Musik mit Eugène
Mittwochs 18:30 - 20:15 "Ongleewlësch awer wouer" mit Pascal Thein und mit Jean-Marc Calderoni
Mittwochs 20:15 - 22:30 "Radio Grénge Fluesfénkelchen" mit Raymond Bisdorff, Danièle Grosbusch, Georgette Muller, Jup Weber und Gilles Wunsch
Mittwochs 22:30 - 23:30 Hits International mit Jängi Freylinger, Joël Hencks, Edy Krier und Romain Reinard
Donnerstags 21:00 - 22:30 Apostrophe in luxemburgischer Sprache mit Patrick und Alain
Sonntags 18:30 - 20:00 Maxi-Single-Time mit Jängi Freylinger und Lou Schartz

Einige der Animatoren waren auch bei der ersten Testsendung von Radio 104 aus Monnerich am 26. August 1985 in Monnerich anwesend.

 

Aufruf

Wir rufen alle Leute herzlich dazu auf, uns weitere Informationen, Bildmaterial, sowie Tonmaterial zur Verfügung zu stellen, um sie auf dieser Seite zu veröffentlichen.

 

Frequenzkrieg zwischen Atelier Radio Arlon (Radio ARA) und Atelier Radio Alter Echos (Radio ARA)

Frequenzkrieg Radio ARA

Das heutige "Atelier Radio Alter Echos" Radio ARA, das 1993 auf Sendung ging, hatte ja seinen Ursprung im "Radio Grénge Fluesfénkelchen". Von 1981 bis 1984 benutzte "Radio Grénge Fluesfénkelchen" jeden Mittwoch Abend die Installation und den Sender von "Atelier Radio Arlon ARA". Von 1985 bis 1992 wurde von den gleichen Radiomachern Radio Radau gegründet, der als Piratensender in Luxemburg sendete.

1993 ging "Atelier Radio Alter Echos" Radio ARA mit offizieller Genehmigung in Luxemburg auf Sendung. Die Sendefrequenzen sind 103,30 MHz und 105,20 MHz. "Atelier Radio Arlon ARA" hatte die Frequenz mittlerweile auf 105,30 MHz umgestellt.

Der Arloner Sender, dessen Sendeanlagen von 1981 bis 1984 von einigen Machern des heutigen Radio ARA benutzt wurden, geriet massiv in die Schusslinie von den Verantwortlichen vom heutigen Radio ARA. Sie werfen dem Sender vor, dass ausgerechnet sie illegal auf Sendung  wären. Ein illegaler Sender, der damals benutzt wurde, um Druck auf die Regierung auszuüben, damit das Mediengesetz schnell verabschiedet wird.

Der Frequenzabstand von 100 KHz zwischen 105,20 MHz und 105,30 MHz ist effektiv zu gering. 300 KHz Frequenzabstand ist üblich. Radio ARA hat sich also über Radio ARA beschwert, weil Radio ARA von Radio ARA gestört wird. Das Frequenzproblem ist aber mittlerweile gelöst, weil in Belgien ein komplett neuer Frequenzplan ausgearbeitet wurde und  "Atelier Radio Arlon ARA" den Löffel abgegeben hat.

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 03. Mai 2010 um 19:04 Uhr
 

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