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Radioszene - Piratensender
Geschrieben von: Dean Schauls   
Dienstag, 05. August 2008 um 08:08 Uhr

Aufruf

Edy Krier mit seinem Team und Dean Schauls arbeiten an einer mehrteiligen Dokumentationsserie über die Entwicklung der Piratensender zu den heute legalen Sendern, die dann später auf .dok ausgestrahlt wird. Wenn noch irgendjemand Material aus der damaligen Zeit hat, würden wir uns freuen, wenn sie uns das zur Verfügung stellen könnten. Danke im voraus.

So begann es ...

 Sendestart Radio 104 im Jahr 1985

Radio 104 startete im September 1985 den Sendebetrieb auf 104 MHz in Monnerich. Es war der erste luxemburgischsprachige Sender auf luxemburgischem Territorium, der 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche sendete. Später wurde die Frequenz auf 104,1 MHz umgestellt.
 
Dies ist eines der sehr seltenen Fotos von Radio 104, das 1985 in der 1. Woche nach Sendestart aufgenommen wurde. Links auf dem Foto ist Edy Krier zu sehen.

 

 

Photo links: Das ist Dean, derzeit 13 Jahre alt, während einer Live-Sendung im Studio 1 von Radio 104.

Mehr Informationen zu Radio 104 finden Sie auch auf der Seite von Edy Krier, dem damaligen Präsidenten von Radio 104.

 

Logo

Eckdaten

  • 1986: Als einziger luxemburgische Sender berichtete Edy Krier von Radio 104 am 28.Januar 1986 live über den Start des Space Shuttle Challenger. Leider endete dieser Start in einer Tragödie, da das Space Shuttle um 18:39 luxemburgische Zeit explodierte.

Relaissender 107 MHz und externe Animation

Radio 104 betrieb noch einen zweiten Sender, der in der Privatwohnung von Marco Karels in Bascharage installiert war. Das Signal aus Monnerich wurde durch diese Relaisstation in der Gegend von Bascharage auf 107.0 MHz ausgestrahlt. Bei Livesendungen ausserhalb der Studios von Radio 104 wurde dieser Sender in Bascharage kurzzeitig ausgeschaltet, um damit von den Veranstaltungsorten ins Studio von Radio 104 in Monnerich zu senden, wo dann die Animation auf dem Hauptsender 104.1 MHz ausgestrahlt wurde. Die Weihnachtsmesse (Metten) wurden jedes Jahr live aus der Kirche von Monnerich übertragen. Im Restaurant Klensch in Monnerich fanden öfters luxemburgische Abende statt, wo luxemburgische Artisten auftraten und die live von Radio 104 übertragen wurden. Während der Monnericher Braderie wurden die Sendungen von dort aus ausgestrahlt.

Hoher Besuch

Wie auf den folgenden Fotos zu sehen ist, gingen die "ganz grossen" dieses Landes bei Radio 104 ein und aus. Interessant ist dies, da es sich ja um einen illegalen Sender handelte, der keine Betriebsgenehmigung hatte und deshalb jeden Tag riskierte von den Behörden geschlossen zu werden, wie es beispielsweise Radio RFM und Radio M103 aus Medernach widerfahren ist.

Jean Spautz Jean Asselborn
Jean Spautz
Jean Asselborn
Lucien Lux Marcel Schlechter
Lucien Lux
Marcel Schlechter
Benny Berg Josy Brebson
Benny Berg
Josy Brebson
François Colling Mars di Bartolomeo
François Colling
Mars di Bartolomeo
Maitre Gaston Vogel Camillo Felgen
Maître Gaston Vogel
Camillo Felgen
Robert Gollo Steffen Roger Stahl und Fons Kontz vom Luxemburger Theater
Robert Gollo Steffen
Roger Stahl und Fons Kontz vom Luxemburger Theater
Henri Schumacher Präsident der UGDA Dr Jean-Claude Schneider
Henri Schumacher Präsident der UGDA
Dr Jean-Claude Schneider
Herr Eischen von der Metzgerei Emo Jean Marx von Garten und Heim
Herr Eischen von der Metzgerei Emo
Jean Marx von Garten und Heim
Nicolas Frisch Gast
Nicolas Frisch
Gast
Weihnachtssendung mit Pit und Familie Weihnachtssendung mit Pit und Familie
Weihnachtssendung mit Pit und Familie
Weihnachtssendung mit Pit und Familie

Der Sänger Chris Baldo war auch ein gern gesehener Gast bei Radio 104.

Luxemburgische Musiktalente

Folgende luxemburgische Musiktalente besuchten regelmässig Radio 104:

  • Chris BALDO
  • Aly BINTZ
  • Fausti
  • Camillo FELGEN
  • Marcel JANDER
  • Luke HAAS
  • Jimmy MARTIN
  • Angèle MIRKES
  • Monnerecher Musek
  • Albert NERINI
  • Christiane RAACH
  • Guy SCHONS
  • Tony SCHUSTER
  • Robert Gollo STEFFEN
  • Gérard VALERIUS
  • Gast WALTZING
  • Fernand WARK
  • Zolver Knapp Bléiser

Die drei Studios von Radio 104

Die Animateure von Radio 104

Edy Krier Georgette Monet
Edy Krier
Georgette Monet
Georgette Monet und René Georgette Monet und Dean Schauls
Georgette Monet und René Georgette Monet und Dean Schauls
Dean als Kameramann Edy Krier und Pit Winandy mit Fax vom Weissen Haus
Dean als Kameramann Edy Krier und Pit Winandy mit Fax vom Weissen Haus
Jempi Mertes Marco Karels
Jempi Mertes Marco Karels
Nico Gros mit Tochter Jo Schmit
Nico Gros mit Tochter Jo Schmit
Marie-Antoinetta und Jempi Mertes Georgette Monet und Mireille Eiffes
Marie-Antoinetta und Jempi Mertes Georgette Monet und Mireille Eiffes
Edy Krier im Radio 104 TV Studio Edy Krier und Georgette Monet
Edy Krier im Radio 104 TV Studio Edy Krier und Georgette Monet

Dean Schauls im Studio 1

Dean Schauls im Radio 104 TV Studio

Weitere Animateure bei Radio 104

  • Armand Schuller
  • René und Josée Weiler
  • Felix Wies

In Pace

Sylvie, Georgette Monet, Armand Schuller, Rosetta und Aly Picard haben uns für immer verlassen. Wir wollen an dieser Stelle an sie denken.

Drei Studios

Radio 104 verfügte über drei Studios. Das Hauptstudio 1, wo sich die technischen Geräte und der DJ befanden und das Studio 1a, wo die Gäste und Animateure Platz nahmen, waren durch eine Wand mit grossem Fenster getrennt. Des weiteren gabs noch ein kleineres Studio 2, das als Reservestudio diente, wenn Wartungsarbeiten im Studio 1 stattfanden und wo Sendungen für das Nachtprogramm aufgezeichnet wurden. In diesem Studio wurde auch das Nachtprogramm eingespeist. Radio 104 besass für das Nachtprogramm eine Bandmaschine mit etlichen Stunden Spielzeit. Ausserdem stand im Studio 2 das sogenannte MTL-10 von Sony, wo bis zu 10 Kassetten eingelegt werden konnten, die dann abwechselnd abgespielt wurden, was pro Durchlauf einer Gesamtspielzeit von bis zu 20 Stunden entsprach. Beim Studio 3 handelte es sich um das Fernsehstudio, wo bei Bedarf auch Satellittenschaltungen für Radio 104 errichtet wurden.

In Gedenken an Georgette Monet ...

Ich will mich an dieser Stelle noch bei Georgette Monet bedanken, die leider verstorben ist. Im Alter von 13 Jahren rief ich bei Radio 104 auf eine der Nummern 551812, 554547 oder 555289 an, die ich bis heute noch auswendig kenne. Am anderen Ende der Leitung war Georgette Monet, die mich spontan in ihre Sendung einlud. Ich überredete meine Eltern, mich schnell nach Monnerich zu fahren. Ich wurde sofort in die Sendung von Georgette integriert, ich sagte einige Worte. Einige Tage später kam die enttäuschende Nachricht, dass ich nicht angenommen wurde, weil ich noch so jung war. Ich war sehr enttäuscht, da ich unbedingt Radiomoderator werden wollte. Dann liess Georgette die Bombe platzen. Sie nehmen dich nicht an, das heisst aber nicht, dass du nicht in meine Sendung integriert werden kannst. Ich machte also damals mit Georgette Monet zusammen Sendung. Irgendwann machte ich die Sendung selbst, Georgette war nur im Hintergrund anwesend. Ich verbesserte meine Sprachtechnik und lernte von Georgette viele Tricks und Kniffs. Durch diese Fortschritte bekam ich dann doch noch meine eigene Sendung, die ich immer Dienstags, Donnerstags und Samstags nachmittags, sowie in den Ferien machte. Ich nahm den Zug von Bettemburg nach Esch und dann den Bus nach Monnerich, was eigentlich recht gut klappte, aber doch etwas umständlich war. Edy übergab mir den Hausschlüssel. Am Anfang kündigte Edy meine Sendung immer als Kindersendung an, nach einer Besprechung mit Georgette, gab er meiner Sendung den Namen "Musëk mam Dean". Nachher gab Edy mir noch anderen Aufgaben im Sender, so durfte ich sogar Kameramann sein bei Radio 104. Danke Georgette, für alles!

Aus diesen Erfahrungen heraus finde ich es sehr wichtig, wenn Jugendliche schon früh an das Medium Radio und Fernsehen herangeführt werden. Auch wenn man in diesem Alter noch keine professionnellen Sendungen führen kann, kann man durch Erwachsene auf die Fehler aufmerksam gemacht werden, man muss aber offen für konstruktive Kritik sein und somit verbessert man sich tagtäglich.

Viele Animateure in den professionellen Medien waren schon während der Piratenzeit aktiv oder begannen ihre Karriere bei Radio LRB aus Bettemburg oder bei Radio LNW aus Wiltz. Die Animateure bekommen dort eine gratis Ausbildung und genau 0 Euro für ihre Sendungen. Die Verantwortlichen der grossen Sender hören sich die Konkurrenzsender natürlich an und werben dann die guten Animateure ab. Somit werden die Ausbildungskosten gespart und es wird nicht die Katze im Sack gekauft. Wenn die Animateure bei den grossen Sendern bezahlt werden, fällt für sie die Entscheidung leicht. Aus diesem Grund sind kleine lokale Sender so wichtig und sie dienen vielen Talenten als Sprungbrett zu einer professionellen Radiokarriere. Radio LNW ist nicht wütend über diese Praxis, sondern es ist für unseren Sender eine grosse Ehre, wenn Animateure von unserem Sender die Tür zu professionellen Sendern geöffnet wird.

Eine kleine Annekdote von früher ...

Damals wurde noch mit Schallplatten gearbeitet, die mit zwei Plattenspielern der Firma Technics abgespielt wurden. Die Nadel musste an den Anfang gesetzt werden und dann der Plattenteller eine halbe Runde zurückgedreht werden. Am Mischpult waren sogenannte Faderstarttaster, um den Plattenspieler zu starten, nachdem die Nadel richtig plaziert war. Ich erinnere mich daran, dass einer der zwei Faderstarttaster am Mischpult kaputt war und ich den Plattenspieler am Taster am Plattenspieler äusserst rechts starten musste, sodass ich während der Ansage bei geöffneten Mikrofon mit dem Stuhl umfiel. Edy Krier ist das auch damals einige Male passiert, er liess sich aber im Gegensatz zu mir nichts anmerken und führte die Animation während dem Sturz einfach weiter, als sei nichts passiert. Oft waren keine Ersatznadeln für den Plattenspieler da, sodass die Sendung mit einem Plattenspieler gemacht wurde. Während der Animation mussten die Platten gewechselt werden. Mit den 33 und 45 Umdrehungen war auch ein weiteres Problem. Die Singles und Maxi-Singles wurden in der Regel mit 45 Umdrehungen, die Langspielplatten mit 33 Umdrehungen abgespielt. Das war aber nicht immer so, es kam öfters vor, dass sich der Animateur irrte oder vergass die Drehzahl am Plattenspieler umzuschalten. Heute hat sich die Technik verändert, wobei es der Animateur wesentlich leichter hat und das Starten der Geräte nicht mehr so gefährlich ist wie damals. Heutzutage braucht man nur einen Computer und einige Mikrofone, um Radio zu machen. Die Nostalgie ist aber dadurch verloren gegangen.

Interview

Edy Krier wurde am 18. August 2007 von Roy Peter auf Radio Ara interviewt.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 18. April 2009 um 08:44 Uhr
 

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