Edy Krier mit seinem Team und Dean Schauls arbeiten an einer mehrteiligen Dokumentationsserie über die Entwicklung der Piratensender zu den heute legalen Sendern, die dann später auf .dok ausgestrahlt wird. Wenn noch irgendjemand Material aus der damaligen Zeit hat, würden wir uns freuen, wenn sie uns das zur Verfügung stellen könnten. Danke im voraus.
Wie alles begann ...
Diese Seite befindet sich in ständiger Entwicklung. Wir appelieren an alle ehemaligen "Piraten", uns zu kontaktieren, damit wir ausführlich über die Piratensender in Luxemburg berichten können.
Seit den 80er Jahren waren etliche Piratensender in Luxemburg aktiv. Sie wurden mehr oder weniger toleriert.
Am 27. Juli 1991 erschien das Gesetz über die elektronischen Medien. Damit wurde eine rechtliche Basis für neue Rundunksender geschaffen. Die illegalen Rundfunksender mußten abgeschaltet werden. Existierende Vereinigungen, die illegal einen Sender betrieben, sollten ausdrücklich keine Genehmigung erhalten.
Am 15. April 1992 bekamen die Betreiber von 13 Piratensendern von Postdirektor Edmond Toussing per Einschreibebrief eine Warnung, den Sendebetrieb einzustellen. Dieser Warnung wurde Folge geleistet.
Lesen Sie nun einige Zeitungsartikel aus den 90er Jahren. Oft ist uns die Quelle nicht bekannt und wir können sie deshalb nicht angeben. Ansonsten stammen die Artikel aus den Zeitungen: Journal, Lëtzebuerger Land, Tageblatt, Luxpost, Telecran, Républicain Lorrain und Wort. Die Quellenangabe befindet sich im Dateinamen und ganz hinten in der Tabelle.
Besuchen Sie bitte auch die Internetseite von Edy Krier. Er war einer der großen Pioniere der luxemburgischen Radioszene. Meine ersten Radioerfahrungen fanden im Alter von 13 Jahren bei Radio 104 in Monnerich statt. Auf der Seite von Edy Krier wird Radio 104 aus erster Hand vorgestellt.
Die Vereinigung "Radioarganistatioun Miedernach" führt auf ihrer Homepage auch einen Rückblick auf die Zeit der Piratensender durch.
Wir bedanken uns auch bei Serge Simon für seine Hilfe. Früher war Serge bei Radio M103 tätig, bis der Sender von der Polizei geschlossen wurde und Serge mit seinen Radiofreunden von der Polizei vorübergehend verhaftet wurde und der Sender auf richterliche Anordnung geschlossen wurde, sowie das gesamte Material beschlagnahmt wurde. Es muß erwähnt werden, daß damals noch viele andere Piratensender in Luxemburg aktiv waren, die nicht geschlossen wurden. Offiziell wurde der Sender und das gesamte Radiomaterial beschlagnahmt, weil angeblich der Funkverkehr der zivilen Luftfahrt gestört wurde. Serge hat dann 1993, zusammen mit einigen Freunden, den legalen Sender Radio ROM aus Medernach aufgebaut. Ironischerweise soll genau dieser Sender, den die Staatsanwaltschaft später wieder freigab, in den Anfangsjahren von Radio ROM in Betrieb gewesen sein und es soll keinerlei technische Beanstandungen gegeben haben.
Atelierradio Arlon- Radio Grénge Fluesfénkelschen
(Quelle: Edy Krier)
Der Ursprung der luxemburgischen Piratensender war ein mobiler Sender, der 1981 illegal in den Wiesen und Feldern in Arlon betrieben wurde. Jup Weber war der Hauptakteur. Kontinuierlich wurde der Standort gewechselt und nur kurzzeitig gesendet, um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, entdeckt zu werden. Die Reichweite war sehr eingeschränkt. In Arlon konnte man diesen Sender empfangen aber sehr schlecht in Luxemburg.
Danach wurde illegalerweise der Sender im Kirchturm der Saint-Donatus-Kirche betrieben. Die Kirche stand nämlich auf einem Hügel, die "Areler Knippchen" und der Kirchturm war zudem auch noch ziemlich hoch. Dadurch konnte die Reichweite des Senders nochmal erhöht werden. In Luxemburg war der Empfang aber trotzdem nicht so berauschend. Der Priester war eingeweiht, er sperrte den luxemburgischen Radiomachern die Sakristei auf, damit die Radiomacher auf den Glockenturm gelangen konnten. Es wurde ausschliesslich mit Kassetten gearbeitet. Nach 30 Minutten wurde auf der Kassette gesagt, dass jetzt einige Sekunde Pause ist, da die Kassette umgedreht werden muss. Das Material wurde immer vor der Sendung auf den Glockenturm transportiert, die Antenne wurde angeschlossen und nach der Sendung wurde wieder alles schnell abmontiert. Das gesamte Material wurde dauernd zwischen Luxemburg und Arlon hin und her geschleppt. Die Radiomacher hatten grosse Angst, dass ihnen auf diesem Weg und an der Grenze das Material beschlagnahmt werden könnte. Sie waren deshalb sehr vorsichtig, um sich nicht erwischen zu lassen, indem sie mit verschiedenen Autos verschiedene Strecken nach Arlon fuhren und stets den Rückspiegel im Auge behielten. Die Radiomacher von damals sind sich heute noch sicher, dass das ganze vom Geheimdienst observiert wurde und dass sogar Telefone abgehört wurden, was aber nicht nachweisbar ist.
Weil die Reichweite aber nicht zufriedenstellend war, benutzen die Radiomacher einige Monate später die Studios vom legalen Sender "Atelier Radio Arlon".
Im August 2007 zog es den Radiopionier Edy Krier von Radio 104 an den Ort zurück, wo alles im Jahr 1981 begann. Dies hier ist die Eingangstür zu Radio ARA, das für Atelier-Radio-Arlon steht. Es handelt sich um einen Raum, der sich in der "Saint-Donatus-Kirche" in Arlon befindet. Seit Jahren ist dieses Studio nicht mehr in Betrieb. Leider war der Pfarrer nicht aufzufinden, um Edy Krier Zugang zu den Räumen zu verschaffen, wo luxemburgische Radiogeschichte geschrieben wurde.
Die Sendungen wurden live aus dem Studio vom Atelierradio in der "Saint-Donatus-Kirche" in Arlon (Aarëler Knippchen) ausgestrahlt. Marc Antoine war derzeit Verantwortlicher vom Atelierradio und von der "Maison de la Culture du Sud Luxemburg" in Arlon.
Über der Eingangstür von Radio Arlon hängt immer noch das Schild "Radio ARA 105.3". Ursprünglich war die Sendefrequenz 102.0 MHz. Radio ARA - Atelierradio Arlon ist nicht zu verwechseln mit dem heutigen Radio ARA in Luxemburg.
In den achtziger Jahren sendete Atelierradio Arlon mit 2 Dipolen. Dieser Antennentyp hat sich bewährt, da sich dadurch die Sendeleistung verdoppelt. Auf dem Foto, das die Fassade der Saint-Donatus-Kirche zeigt, ist eine sogenannte Groundplane-Antenne, also ein Rundstrahler, sowie eine Richtantenne mit 2 Elementen zu erkennen, die nur in die Richtung ausstrahlt, wo die Antenne gerichtet ist. Ganz oben befindet sich eine GSM-Antenne, die natürlich auch nachträglich installiert wurde, da es in den achtziger Jahren noch keine mobilen Telefone gab.
"Radio grénge Fluesfénkelschen" war das erste luxemburgischsprachige Programm auf dem Sender vom Atelierradio in Arlon, das neben RTL in luxemburgischer Sprache sendete.
Das Team von "Radio grénge Fluesfénkelschen" setzte sich folgendermassen zusammen: Raymond Bisdorff, Robert Garcia, Danielle Grosbusch, Georgette Muller, Jean-Paul Roden, Jup Weber und Gilles Wunsch.
Ausserdem sendete Edy Krier später auch von Arlon aus mit einer luxemburgischen Mannschaft, die aus folgenden Leuten bestand: Jean-Marc Calderoni, Jängi Freylinger, Guy und Joel Hencks, Jean-Paul Mander, Eugène, Romain Reinard, Lou Schartz und Pascal Thein.
v.l.n.r.: Jup Weber, Raymond Bisdorff, Jean-Paul Roden, ?
Bis zum Juni 1985 setzte sich das Programm folgendermassen zusammen:
Montags
17:00 - 18:00
Slow-Motioun mit Edy Krier
Montags
18:00 - 18:30
Regionalen Nachrichten in französischer Sprache mit Marc Antoine
Montags
18:30 - 20:00
Oldies mit Guy Hencks
Montags
20:00 - 21:00
Country-Musik mit Eugène
Mittwochs
18:30 - 20:15
"Ongleewlësch awer wouer" mit Pascal Thein und mit Jean-Marc Calderoni
Mittwochs
20:15 - 22:30
"Radio Grénge Fluesfénkelchen" mit Raymond Bisdorff, Danièle Grosbusch, Georgette Muller, Jup Weber und Gilles Wunsch
Mittwochs
22:30 - 23:30
Hits International mit Jängi Freylinger, Joël Hencks, Edy Krier und Romain Reinard
Donnerstags
21:00 - 22:30
Apostrophe in luxemburgischer Sprache mit Patrick und Alain
Sonntags
18:30 - 20:00
Maxi-Single-Time mit Jängi Freylinger und Lou Schartz
Einige der Animatoren waren auch bei der ersten Testsendung von Radio 104 aus Monnerich am 26. August 1985 in Monnerich anwesend.
1981 wurden schon von Guy Felten Testsendungen auf luxemburgischen Staatsboden in der Nähe der Post in Luxemburg durchgeführt.
Später sendete er 1983 sein Programm von der Nummer 178 Arloner Straße in Strassen, was damals wie heute ein Schuppen ist. (siehe Foto).
Dieser Sender wurde von Guy Felten, der in Insiderkreisen auch James Bond genannt wurde und von Gérard Valerius und Jerry Krier, der damals "Teacher" genannt wurde, betrieben. Später wurde aus der Liberationsstraße in Luxemburg gesendet. Mike Welter moderierte auch auf Radio Organique.
5 Jahre lang sendete Radio Organique in der Hauptstadt auf 101 MHz. Die Staatsanwaltschaft, der Messdienst der Post und viele Politiker kannten den genauen Standort des Senders. Guy Felten versteckte sich nicht in der Anonymität, sondern spielte mit offenen Karten. Es kam erstaunlicherweise zu keiner Zeit zu irgendwelchen Problemen, Verwarnungen oder gar Beschlagnahmungen des Sendematerials. Radio Organique konnte man bis nach Mersch, Esch-Alzette und Remich empfangen. Eine offizielle Umfrage, die aber nie veröffentlicht wurde, belegte, dass bis zu 15.000 Leute diesen Sender regelmässig einschalteten. Die Zuhörerzahl vom luxemburgischsprachigen RTL ging aber nicht runter, sondern sogar rauf. Es stellte sich heraus, dass viele Zuhörer, die regelmässig Südwest 3, Classique 21 und eigene Musikkassetten hörten, den Empfänger auf Radio Organique umstellten. Radio Organique war nie eine Konkurrenz zu RTL, da sie eine komplett andere Musikrichtung abspielten und die Animation sehr viel lockerer geführt wurde. Radio Organique trug entschieden dazu bei, dass sich der Programmstyl von RTL in den achtziger Jahren massiv veränderte. Vielleicht wurde Radio Organique auch deshalb nicht geschlossen, weil er eine Alternative zum bestehenden Sender darstellte und niemanden finanziell schädigte, indem Werbekunden von anderen Sendern abgezogen wurden. Radio Organique finanzierte sich teils durch Werbeeinnahmen, aber auch durch privates Geld von Guy Felten, der unterstreicht, dass er Radio Organique aus Freude an der Sache und nicht aus Profitgier betrieb. Guy Felten fand es untragbar, dass RTL als einziger Sender in Luxemburg eine Sendelizenz erhielt und es anderen Leuten nicht gestattet ist, einen Rundfunksender zu betreiben. Radio Organique sendete als erster Sender, vor RTL, in Stereo.
Verschiedene Leute versuchten Radio Organique mit einem Trick zur Strecke zu bringen. Die Firma Löffler in Mamer errichtete einen hohen Mast, um darauf die Antenne zu montieren. Die Montage wurde fachgerecht durchgeführt. Dennoch versuchten die Behörden, den Abbau von diesem Mast zu erzwingen. Die Begründung war, dass keine Baugenahmigung für den Mast vorlag. Eine bedeutende Bank, die gegenüber eine Filiale betrieb, hatte genau den gleichen Mast. Guy Felten hatte sich informiert und es stellte sich heraus, dass die Bank auch keine Baugenehmigung für den baugleichen Mast besass. Die Sache war infolgedessen sehr schnell vom Tisch.
Anfangs sendete Guy Felten nur stundenweise und unregelmässig. Es kam schonmal vor, dass er eine Woche Pause machte und dann wieder einen Monat sendete. Guy Felten nannte den Sender aus einem bestimmten Grund Radio Organique. In diesem Sendernamen kommt der Begriff Organ vor. Er ist der Meinung, dass der Mensch nach einem bestimmten Rhytmus und Zyklus funktioniert. Von 14 - 22 Uhr funktioniert der Mensch genauso wie zwischen 22 - 6 Uhr und von 6 - 14 Uhr. Radio Organique sendete deshalb von 14 - 22 Uhr. Von 22 - 6 Uhr und von 6 - 14 Uhr wurden manchmal die 8 Stunden Dauersendung wiederholt. Radio Organique richtete sich sehr strikt nach dem natürlichen Biorhytmus des Menschen in der Musikwahl. Es kam auch schonmal vor, dass Guy Felten gegen 19 Uhr das laufende Programm unterbrach, den Sender ausschaltete und über Sender bekanntgab, dass er zum Essen in ein Fast-Food-Restaurant fährt und um 20 Uhr wieder weitermacht.
Foto oben: Guy Felten und Romain Kohn im Redaktionsraum von Radio Organique
Er spielte auf einmal klassische Musik, weil das zu dieser Uhrzeit dem Biorhytmus des Menschen entsprach. Die Leute regten sich wahnsinnig darüber auf, riefen massiv ins Studio an und sprachen Guy Felten darauf an. Erstaunlich daran war, dass die Leute trotzdem den Radioempfänger eingeschaltet liessen, um zu erfahren, wie es nach dieser Phase weitergeht.
1986 beschloss Guy Felten aus freien Stücken den Sendebetrieb einzustellen. Einer der grossen Vorbilder von Edy Krier, der 1985 Radio 104 in Monnerich ins Leben rief, war eindeutig Guy Felten. Ohne Radio Organique hätte es vielleicht kein Radio 104 gegeben. Edy Krier informierte sich bei Guy Felten über die Technik, die benötigt wird, um eine Rundfunkstation zu betreiben. Sicher ist, dass Guy Felten massgeblich zu der ganzen Radiolandschaft und zum neuen Mediengesetz beigetragen hat.
Es folgen ein Foto vom Team und die Logos von Radio M103
Das Programm von Radio Arantia und von Radio M103
Einige Zeitungsartikel über die polizeiliche Schliessung von Radio M103
Am 12. September 1989 berichtete das Tageblatt über die polizeiliche Schliessung von Radio M103. Die Hintergründe für die damalige Schließung von Radio M103 sind haaresträubend und der Redaktion bekannt. Die offiziellen und auch die inoffiziellen Dokumente von damals geistern irgendwo in Luxemburg herum, können aber hier aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden. Wenn man einen Film über die Hintergründe dieser Schließung machen würde, wäre das besser als Denver Clan und Dallas zusammen.
Ein Gendarmeriebeamter hat es sich offensichtlich zur Lebensaufgabe gemacht, den Rundfunksender M103 zur Strecke zu bringen, indem er sich komplett in die Ermittlungen reingesteigert hat. Er hat seinen eigenen Rundfunkempfänger von zuhause mitgebracht, stellte die Frequenz auf 103 MHz, um im Protokoll bis im kleinsten Detail festzuhalten, was auf dem Sender gesagt wurde. Stundenlang verfolgte der Ermittler während seiner Schicht das Radioprogramm von Radio M103 und schrieb alles haargenau mit. Anschliessend ging der Gendarm sogar an den Tresen von der Kneipe "Café des Sports", wo mutmassliche Rundfunkmoderatoren es sich erlaubt hatten, miteinander zu reden. Ob er seine Dienstkleidung anhatte oder sich vorher umzog ist uns nicht bekannt. Im Protokoll wurde alles genau niedergeschrieben, was am Tresen besprochen wurde. Ein Animateur trug ein Hemd mit der Aufschrift M103, was auch detailliert protokolliert wurde und den Träger sehr verdächtigt machte.
Im Radio sagte ein Sprecher, dass die Anlage aufgemotzt wurde. Daraufhin fuhr der übereifrige Gendarm sogar in der Gegend umher, um für die Staatsanwaltschaft genau zu dokumentieren, welche Reichweite Radio M103 hatte.
Im "Bued", einem lokalen Medernacher Informationsblatt, wurden alle Namen der Verantwortlichen veröffentlicht und überall im Dorf Zettel verteilt mit der genauen Adresse, Telefonnummer und den Namen der Animateure. Offensichtlich hatten die Betreiber von Radio M103 es versäumt, dem Gendarm auch ein Informationsblatt in den Briefkasten zu werfen, was ganz bestimmt keine Absicht war, sodass langwierige Ermittlungen eingeleitet wurden, um Informationen zu erhalten, die sämtliche Einwohner aus Medernach schon längst hatten.
Es wurde mit allen Mitteln alles genau beobachtet und dokumentiert, man kann in diesem Zusammenhang auch den Begriff Bespitzelung verwenden. Anfragen, wem die Telefonnummer von Radio M103 gehört und wem die Immatrikulationsnummern der Fahrzeuge von Verdächtigen gehören, wurden an entsprechenden Stellen eingereicht. Jeder, der sich im "Café des Sports" aufhielt und jedes dort in der Gegend stationierte Auto stand unter Generalverdacht. Man musste auch genau aufpassen, was man bei sich führte, denn bei jedem technischen Gerät, das man in den Händen hielt, wurden wilde Spekulationen in den Bericht geschrieben.
Später wurde auch noch der Messdienst der Post und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Postbediensteten hatten einige Nebenwellen gemessen, die völlig normal sind, da jeder Sender Nebenwellen ausstrahlt. Das war für die Postbediensteten auch kein grösseres Thema und wurde nur so nebenbei erwähnt. Der fleissige Gendarm hatte aber sofort seinen Notizblock gezückt und schrieb sich die Frequenzen dieser Nebenwellen auf und machte deswegen bei der Staatsanwaltschaft einen Riesenaufstand. Die Postbediensteten hatten wohl einen Bericht über Radio M103 für die Staatsanwaltschaft verfasst, darin wurden die gemessenen Nebenwellen nicht mal erwähnt.
Als dann einer der Staatsanwälte im Urlaub war, wurde zugeschlagen. In ganz Medernach kreuzten Gendarmeriewagen umher, um die Radiomacher dingfest zu machen. Zeitgleich wurden in den Privatwohnungen von sämtlichen Sprechern Hausdurchsuchungen durchgeführt. Als der Staatsanwalt wieder aus dem Urlaub zurückkam, sah er den Scherbenhaufen. Es kam es zu einem Treffen zwischen dem Staatsanwalt und den Verantwortlichen von Radio M103. Sie bekamen natürlich alle Geräte bis auf den Sender zurück. Es kam nie zu einer Gerichtsverhandlung.
1992 wurde ihnen der beschlagnahmte Sender zurückerstattet, als Radio ROM, der Nachfolger von Radio M103, eine offizielle Sendefrequenz zugeteilt bekam.
Genau der gleiche Sender wurde 1992 von den selben Postbeamten überprüft, welche damals die Messung für die Gendarmerie vornahmen. Es gab nicht die geringsten Beanstandungen! Er wurde infolgedessen von Radio ROM in Betrieb genommen. Die angeblichen Nebenwellen überschreiten nachweislich nicht den vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwert.
Im Nachhinein darf man sich die Frage stellen, ob nicht massiv übertrieben wurde. Fakt ist, dass der Sender keine Störungen durch Nebenwellen verursachte und dass es derzeit noch ein gutes Dutzend anderer Rundfunksender gab, die mit viel höherer Leistung ausstrahlten, die aber in Ruhe gelassen wurden. Damals gab es gut fünf Milliarden Einwohner auf der Erde und davon hat sich eigentlich nur eine einzige Person durch den Radiosender M103 gestört gefühlt. Die Ausmasse davon sind mittlerweile bekannt. Wäre damals, in der Zeit der Bombenleger, soviel Energie in die Ermittlungen zur Aufklärung der Bombenlegeraffäre gelegt worden, dann wären die Bombenleger schon längst verurteilt.
Im "de Bued", einem lokalen Informationsblatt für die Einwohner von Medernach, sind insgesamt sechs Artikel über den Medernacher Lokalsender erschienen.
Ab Februar 1986 sendete Radio Stereo Ere 2000 vom Dachboden des Restaurants "Quo Vadis" auf dem Escher Brillplatz. Sie sendeten von Anfang an als erster luxemburgischer Sender in Stereo und dies rund um die Uhr. Radio RTL schaltete erst viel später von Mono auf Stereo um. Danach wurde ihnen die Sache zu heiss und niemand wollte die Verantwortung übernehmen. Anschliessend wurde aus dem Privathaus von Jos Roulling in Esch-Belval gesendet. Die Studios waren bereits vorhanden. 1987 wurde Radio Stereo Ere 2000 ein Raum im Pavillon auf dem Escher Galgenberg zugeteilt. Das Team bestand damals aus 25 Freiwilligen mit Jos Roulling als Präsident und Programmdirektor. Er war vorher freier Mitarbeiter beim deutschen RTL und er verbrachte danach seine ganze Freizeit mit seinem Rundfunksender und er leitete ein Radio für jung und alt. Es wurden auch Liveanimationen auf Strassenfesten gemacht. Als das Mediengesetz erschien, zog sich Jos Roulling komplett aus der Radioszene zurück. Heutzutage animiert er auf Festen und hat eine Musik-CD produziert und schliesst es nicht aus, früher oder später wieder im Rundfunk- oder Fernsehbereich zu arbeiten. Georgio Marzinotto war von Beginn an verantwortlich für die Technik und ist heute Techniker bei "Radio Gudd Laun", der aus "Radio Stereo Ere 2000" entstanden ist.
Luc Melsen war von Februar 1986 bis Juli 1986 Animateur bei Radio Stereo Ere 2000. Am 7. Juli 1986 wechselte er zu RFM, als dieser offiziell auf Sendung ging.
Roulling Jos, der derzeitige Präsident vom Escher Sender Radio Stereo Ere 2000, interviewte den damaligen Staatsminister Jacques Santer für seinen Piratensender. Im Hintergrund ist das Werbeschild vom Sender zu sehen.
Wie sich später herausstellte, soll Herr Santer nicht gewusst haben, dass das Interview für einen Piratensender gedacht war. Auch vor dem heutigen Grossherzog Henri machte Jos Roulling nicht halt.
Wir bedanken uns bei Krämer Julien für die obigen Fotos. Untenstehend befindet sich eine Auflistung der Namen der verschiedenen Animateure, die auf dem Foto mit den entsprechenden Ziffern gekennzeichnet sind.
01 Wilhelmus John 02 Anna
03 Barberi Marco 04 Krämer Julien 05 Poupart Jacqueline 06 Wilhelmus Linda 07 Roulling Jos 08 Jacob Roger 09 Kesseler Marie Jeanne 10 Gasparini Manon 11 Polo Marco 12 Wies Felix 13 Marzinotto Giorgio
Radio Süd hat es als einziger Sender geschafft, dass eine leichte Brise Wind das komplette Antennensystem, bestehend aus 4 Dipolen, umfegte. Das Luxemburger Wort berichtete sogar darüber.
Daniel Dondlinger war von Januar 92 bis März 92 bei Radio Sud tätig.
Radio Libre Bergem RLB
In Bergem wurde auf dem Dachboden eines Privathauses eine Sendeantenne installiert. Die Reichweite war sehr gut, da das Dach aus Stroh bestand. Anfangs diente dieser Sender als Relaisstation für Radio New Sunshine RNS. Radio RNS wurde mit einem Radio empfangen und dann zusätzlich auf der Frequenz 95,8 MHz ausgestrahlt. Nach dem Zusammenbruch von Radio RNS, diente dieser Sender als Relaisstation für Radio RFM. Im Garten stand eine Richtantenne mit 6 Elementen, um Radio RFM aus Howald zu empfangen. Radio RFM wurde mit einem Radioempfänger in perfekter Stereoqualität empfangen und auf der Sendefrequenz 107,2 MHz in Stereo im Süden des Landes übertragen. Sonntag nachmittags wurde klassische Musik abgespielt und Sonntag abends wurde die Sendung "Fatzekescht mam Josy" ausgestrahlt. Ansonsten wurde das Programm von Radio RFM übertragen.
Radio Alfa
Radio Alfa sendete auf 104,2 MHz. Patrick Greis fing dort als Radiosprecher an und ist heutzutage auf Radio RTL zu hören. Gerard Floener begann seine Karriere auch bei Radio Alfa, wechselte dann zu Radio RFM, um heute bei RTL tätig zu sein. Radio Alfa konnte man an der Mosel empfangen.
Radio Péiteng
Aly Jacoby und sein Sohn Alain betrieben für einige Monate den Piratensender Radio Péiteng.
Aly Jacoby hat danach die « Association Luxembourgeoise pour la Libération des Ondes et l`Introduction de Radio Libres au Luxembourg » gegründet, die Vorschläge gemacht haben bei der Entwerfung des neuen Mediengesetzes. Radio Péiteng, Radio Sunshine aus Mamer und Radio 104 waren Mitglied in dieser Organsisation.
Radio Sunshine Mamer
Roger Neyens betrieb für kurze Zeit den Sender von Radio Sunshine in Mamer. Es wurde mit kleiner Sendeleistung gesendet. Der Sender diente mehr zu Testzwecken, um den Sender und die angeschlossenen Geräte zu testen. Roger Neyens hat eine Spezialsendung zum zehnten Geburtstag von der Städtepartnerschaft zwischen Mamer und der französischen Stadt "Dangé St.Romain" zusammengestellt.
Jeannot Schneider betrieb während einem Jahr einen der Sender von Radio New Sunshine RNS. Die Sendefrequenz war 106.8 MHz und das Studio befand sich in der Nähe der Krankenkasse in Esch-Alzette.
Während der Schobermesse auf dem Glacisplatz in der Hauptstadt, wurde live aus der ehemaligen Kneipe "Café Nickloseck" gesendet. Hierzu wurde ein weiterer Sender in Betrieb genommen, um das Signal ins Hauptstudio nach Esch zu übertragen. Es befand sich für den Fall eines Sendeausfalls immer eine Person im Escher Studio. Es war sogar möglich, dass die Zuhörer nach Esch ins Hauptstudio anrufen konnten, um live über Sender mit den Animateuren auf der Schobermesse zu sprechen und um an Spielen auf der Schobermesse teilzunehmen.
Adrien Jung vom Radio Libre Bergem RLB stellte in Bergem eine Relaisstation auf, um Radio RNS auf 95,8 MHz zu übertragen.
Es kam Anfang 1989 zum Streit und Radio RNS wurde aufgelöst. Es kam zu einer Versteigerung des Radiomaterials. Im Vorfeld dieser Versteigerung soll dort eingebrochen worden sein und Material gestohlen worden sein. Der Nachfolger von Radio RNS ist Radio Süd.
Radio Center Minette RCM - Differdange
(Quelle: Daniel Dondlinger)
"Radio Center Minette " war der Vorgänger von Radio Challenger und sendete damals in der rue Emile Mark Strasse auf 104,5 MHz. Radio RCM sendete vom November 1985 bis Februar 1986. Viele Animateure waren dort tätig und es wurde sehr viel komerzielle Werbung ausgestrahlt.
Im Februar 1986 kam es zum Streit, Radio RCM wurde aufgelöst und es entstanden zwei neue Sender. Zum einen wurde im April 1986 Radio Center Differdingen auf 104,5 MHz gegründet und andererseits wurde im April 1986 Radio Challenger auf 102,0 MHz gegründet.
Hören Sie hier einige Tonbeiträge aus den Jahren 1985-86 von Radio RCM!
Radio Challenger Differdange
(Quelle: Daniel Dondlinger)
Radio Challenger ging im April 1986 auf Sendung. Es ist der Nachfolger von Radio Center Minette RCM. Die Sendefrequenz war 102,0 MHz. Gesendet wurde aus der Privatwohnung von Marc Anthony, der leider verstorben ist. Das Studio befand sich ausgerechnet zwischen der Polizeistation und der Gemeinde in der Bergstrasse über einer Kneipe. Manche Radiomacher waren damals sehr kreativ, Radio Challenger sendete aus dem Badezimmer von dieser Privatwohnung. Metty Wampach war der Präsident.
Zwischen Radio Challenger 102.0 und Radio Center Differdingen 104.5 herrschte Krieg. Sie machten sich gegenseitig das Leben schwer und sollen sich sogar gegenseitig gestört haben, indem sie die gleiche Frequenz benutzten. Ende 1986 hörten beide Sender auf.
Radio Center Differdange RCD
(Quelle: Daniel Dondlinger)
Radio Center Differdange ging im April 1986 auf Sendung. Es ist der Nachfolger von Radio Center Minette RCM. Radio RCD sendete auf 104,5 MHz. Die Studios befanden sich über dem alten Café Fischer in der Liberationsstrasse. Irma Boultgen, Netty Kridel, Jos Fischer und Joël Hencks waren Mitglied bei diesem Sender. Es wurde viel Musik von luxemburgischen Künstlern, wie Luc Haas und Robert Gollo Steffen, abgespielt.
Hubert Höllerich war zuständig für die wöchentlich ausgestrahlte Nachrichtensendung mit Informationen aus der Regionen mit vielen Interviews. Das war gar nicht so einfach aufgrund von beschränkten technischen Mitteln. Radio RCD berichtete über die grosse Manifestation gegen den Bau des Atomkraftwerks Cattenom. Es wurde während dem ganzen Tag von Frankreich aus gesendet, wo die Protestaktionen stattfanden. Etwa 20.000 Personen kamen nach Königsmacker, darunter auch viele Luxemburger. Sehr viele Interviews wurden von den Animateuren von Radio RCD durchgeführt. Im Studio von Radio RCD fand ein runder Tisch mit Experten, Ärzten und Wissenschaftlern statt, die die Zuhörer über die Atomenergie, die Gefahren und die eventuell negativen Konsequenzen informierten. Die Zuhörer konnten ins Studio anrufen und dem Expertenteam Fragen stellen.
Zwischen Radio Challenger 102.0 und Radio Center Differdingen 104.5 herrschte Krieg. Sie machten sich gegenseitig das Leben schwer und sollen sich sogar gegenseitig gestört haben, indem sie die gleiche Frequenz benutzten. Ende 1986 hörten beide Sender auf.
Radio Club Atlantis Differdange
(Quelle: Daniel Dondlinger und Pino)
In Differdingen sendete auch Radio Atlantis auf 104,7 MHz. Anfang August 1987 wurde dieser Sender gegründet. Die Sendeleistung betrug 45 Watt. Radio Club Atlantis ist der Nachfolger von Radio Challenger 102.0 MHz. Die Studios befanden sich über der Kneipe "Café bei der Gemeng", wo auch Radio Challenger 102.0 gesendet hatte. Laut den Aussagen von Pino in der Gemeinschaftsrundfunksendung von allen Verantwortlichen der freien Radios vom 4. Februar 1988, hat Radio Club Atlantis Ende Januar 1988 den Sender ausgeschaltet. Am gleichen Tag, wo diese Gemeinschaftssendung stattfand, tauchten Polizeibeamte bei Radio Club Atlantis auf, um ihnen mit einer Geldstrafe und einer Schliessung des Senders zu drohen, wenn sie den Sender erneut einschalten würden. Daraufhin hat der Präsident des Senders sein Amt niedergelegt. Die Polizei führte in Differdingen eine Untersuchung durch und befragte die Geschäftsleute, wieviel sie für die Werbung bezahlen würden und sie befragten die Verantwortlichen von Radio Club Atlantis, was mit diesem Geld geschehen würde. Pino bemängelte, dass diese Massnahmen nur bei Radio Club Atlantis durchgeführt wurden und nicht bei den anderen Sendern. Radio Club Atlantis hat dreimal ihre Adresse gewechselt.
Anfang November 1987 wechselten sie in eine Privatwohnung in die Eisenbahnstrasse. Es kam auch hier zu Streitereien, indem ein Animateur verdächtigt wurde, Schmuck in der Privatwohnung gestohlen zu haben.
Im Januar 1988 zog Radio Club Atlantis in das alte Café Fischer um. Anfang Februar 1988 wurde der Sendebetrieb endgültig eingestellt, weil sie massiv von der Polizei eingeschüchtert wurden.
Die Frequenz wurde auch von 104.7 auf 104.5 umgestellt.
Pino di Domenico betreibt heutzutage eine Kneipe in Rodange, die auch Atlantis heisst.
Gérard Floener, der heute bei RTL arbeitet, machte seine erste Bekanntschaft mit dem Medium Radio bei Radio Club Antlantis.
Hier können Sie eine Sendung von Daniel Dondlinger aus dem Jahre 1987 auf Radio Club Atlantis hören.
Radio Club Esperanza Differdange
(Quelle: Daniel Dondlinger)
In Differdingen sendete Radio Club Esperanza von 1987 bis 1988 in portugiesischer Sprache mit sehr hoher Sendeleistung auf 100,8 MHz. José Monteira war der Betreiber von diesem Sender. Der Sender hat in der näheren Umgebung das ganze Frequenzband von 88-108 MHz gestört und die Nachbarn mussten mit Bildstörungen im Fernsehen leben. Konsequenzen hatten diese Störungen nicht für den Betreiber des Senders.
Manchmal wurde Radio Atlantis auf Radio Esperanze übertragen.
Radio "Piepston" Differdange
(Quelle: Daniel Dondlinger)
Den Sinn und Zweck von diesem Sender haben wir bis heute nicht verstanden. Ein Elektriker aus Differdingen sendete auf 105,0 MHz einen Dauerpiepston und übertrug manchmal das Tonsignal vom Fernsehsender Musicbox.
Radio Power Station RPS Bettemburg
In Bettemburg sendete Radio Power Station auf 100.9 MHz in Mono mit einer Sendeleistung von nur 4 Watt. Es war wirklich der absolute Hammer, als in einem Heizungskeller in Bettemburg diese Radiostation errichtet wurde. Bei dem uralten Plattenspieler wurde der gesamte Kopf mit der Nadel ersetzt, sodass in hochwertiger Qualität Platten abgespielt werden konnten. Auf dem Kellerfensterbrett stand ein selbstgebauter Limiter. Die Schaltpläne stammten aus der Zeitschrift Elector. An geeigneten Stellen wurden Potentiometer eingebaut, damit die Lautstärkeregelung optimal den Ansprüchen gerecht wurde. Es wurde eine Tonleitung auf den Dachboden gezogen, wo sich der Sender und die Antenne befand. Die Reichweite betrug etwa 3 Kilometer. Gearbeitet wurde nur mit Kassetten und Platten.
Einige Monate später wurde an einem sehr hohen Punkt in Bettemburg eine zweite Antenne aufgebaut. Die Antenne wurde in einer Trauerweide nahe dem Wasserturm befestigt. Die Sendefrequenz war 107.9 MHz mit 4 Watt Sendeleistung in Mono. Die Reichweite betrug bis zu 10 km. In der Hauptstadt konnte mam RPS noch empfangen. Es wurde das Signal vom 100.9 MHz mit einem Radio empfangen und auf 107.9 MHz ausgestrahlt. Es wurden auch Live-Sendungen vom zweiten Studio aus moderiert.
Radio RPS war der Ursprung von Radio LRB. Alle Animateure, die bei Radio RPS tätig waren, wechselten nach der Schliessung von Radio RPS zu LRB.
Radio Aktiv Bonnevoie
In Bonnevoie sendete Radio Aktiv auf 98,8 MHz.
Radio Nei Generatioun RNG
In Kayl sendete Radio Nei Generatioun RNG auf 106,8 MHz in Mono. Joël Hencks war dort einer der Verantwortlichen.
Radio Connection Esch-sur-Alzette
In Esch-Alzette sendete Radio Connection. das Team bestand aus vielen jungen Leuten, die entsprechende Musik abspielten. Der Sound war Klasse, kein Sender hatte mehr Bass im Ton und es wurden immer die neusten Lieder abgespielt. Joël Hencks war dort Animateur.
Zeitschrift Forum, wo viele Artikel über die Piratensender erschienen sind
Hier ist eine Liste von interessanten Links mit Beiträgen über die ehemaligen Piratenradios aufgeführt, die auf die Internetseite www.forum.lu verweisen.
Vereinigungen, die illegal einen Sender betrieben, bekommen laut Mediengesetz keine Genehmigung. Deshalb gründeten die gleichen Mitglieder mit der gleichen Satzung neue Vereinigungen, um diese Klausel zu umgehen.
Leserbrief: Wer ist der nächste auf der Abschussliste der CIR ? (Tageblatt 15.Oktober 2005)
Anmerkungen der Redaktion: Es kam nie eine Antwort seitens der CIR auf die 3 gestellten Fragen. Deshalb antworten wir an dieser Stelle.
Zu Frage 1: Die Frequenzen 102.2 und 107.0 können, müssen aber nicht, alle fünf Jahre ausgeschrieben werden.
Zu Frage 2: Es ist unwahrscheinlich, dass die Regionalsender ausgerechnet einen Füllsender in der Hauptstadt brauchen, da ja dort jeweils ein leistungsstarker Hauptsender steht.
Zu Frage 3: Es wurde gefragt, wer der nächste auf der Abschussliste der CIR steht. Uns ist nicht bekannt, dass beim CIR eine solche Liste geführt wird. Fest steht allerdings, dass Radio Challenger nach diesem Leserbrief als nächster "abgeschossen" wurde. Das ist der Sender, der so oft in diesem Leserbrief zitiert wurde. Der Autor des Artikels, der uns namentlich bekannt ist, legt aber grossen Wert darauf zu betonen, dass es keinen Zusammenhang von diesem Leserbrief und der Schliessung von Radio Challenger gibt.
Kindergartenkrieg zwischen 2 Piratensendern
Ein Animateur eines lokalen Senders musste den Sender verlassen. Er wurde Animateur bei einem anderen Sender. In der Sendung vom 6. Januar 1988 fiel ihm nichts besseres ein, als live über den anderen Sender herzufallen, wo er zuvor rausgeflogen war. Er bezeichnete diesen Sender als Radio Amiperas und er begründete auch, weshalb er diese Bezeichnung benutzte. Er drohte damit, im gleichem Dorf einen Relaissender mit starker Sendeleistung auf der gleichen Frequenz, auf der der andere Sender sendet, in Betrieb zu nehmen. Das war natürlich nie geplant, er wollte nur provozieren, was ihm auch gelungen ist.
Irgendjemand, vielleicht sogar der Verfasser selbst, hat das ganze auf Kassette aufgenommen und das Band dem anderen Sender zukommen lassen. Eine Sprecherin von diesem Sender bauschte die ganze Geschichte auf, das laufende Programm wurde unterbrochen und es wurde eine Spezialsendung organisiert. Am Anfang der einstündigen Sendung lief Trauermusik und es wurde angekündigt, dass etwas Schlimmes passiert sei. Am Anfang glaubten die Zuhörer, es wäre jemand gestorben oder der Sender müsste aufhören. Die Kassette mit den zweiminütigen Beleidigungen wurden anschliessend auf diesem Sender mehrmals abgespielt, dokumentiert und die Zuhörer wurden ermuntert, telefonisch ihre Stellungnahme zu dem ganzen "Skandal" abzugeben.
Die Präsidenten wussten bis 2007 nichts davon und sie verurteilen aufs Schärfste diese Streitigkeiten, die zu allem Überfluss auch noch über die Sender ausgetragen wurden. Sie betonen, dass sie die Animateure sofort rausgeschmissen hätten, wenn sie davon gewusst hätten. Es war nämlich nicht im Sinn der freien Radios, sich gegenseitig zu bekriegen, sondern um gemeinsam für die Radioliberalisierung zu kämpfen. Es blieb auch bei diesem einmaligen Ausrutscher.
Es geht bei der Veröffentlichung von dieser Sendung nicht darum, Privatpersonen zu diskreditieren oder Sender in Verruf zu bringen, weil das wirklich nur ein nicht verzeibarer Ausrutscher aus der Situation heraus war, der sich nie wieder wiederholte. Deshalb wurden alle Namen, Sendernamen und Telefonnummern unkenntlich gemacht. Ein Gespräch zwischen beiden Präsidenten hätte sicherlich im Vorfeld die Situation beruhigt.
Am 4. Februar 1988 fand eine Versammlung mit den Verantwortlichen aller Piratensender in den Räumlichkeiten von Radio Stereo Ere 2000 statt. Das Rundtischgespräch wurde live über den Escher Sender übertragen. Alle beteiligten Sender empfingen Radio Stereo Ere 2000 und übertrugen dieses Programm auf ihrem Sender, sodass gleichzeitig auf sämtlichen Frequenzen der Piratensender dieses Rundtischgespräch zu hören war.
Leider ist mit dem heutigen Mediengesetz das Zusammenschalten von lokalen Sendern strikt verboten, sodass solche konstruktiven Rundtischgespräche, die über jeden lokalen Sender gleichzeitig ausgestrahlt werden, völlig undenkbar sind.
Es wurde behauptet, dass die freien Radios den Funkverkehr der zivilen Luftfahrt stören würden, obwohl es keine Beweise dafür gab. Daraufhin schalteten die Betreiber von allen freien Radios freiwillig die Sender für drei Wochen aus. In dieser Diskussionsrunde wurde das Problem ausführlich durchdiskutiert. Bis heute konnten die Störungen nicht lokalisiert werden und die ganze Sache ist im Sand verlaufen.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei Daniel Dondlinger, weil Daniel uns den Kassettenmitschnitt von diesem Rundtischgespräch zur Verfügung gestellt hat.
Robert Biever: Wie eben erwähnt, kann der Justizminister keinen Erlass geben, ein Strafverfahren nicht einzuleiten. Das könnte ja auch zur Folge haben, dass der Minister die Ausführung eines Gesetzes verhindern könnte.
Ein positiver Erlass stört mich übrigens überhaupt nicht, da dadurch ein Gericht mit einer Angelegenheit befasst wird und dann Recht spricht. Ich muss sagen, dass ich in all den Jahren, in denen ich bei der Staatsanwaltschaft tätig bin, es nur einmal erlebt habe, dass ein Minister einen positiven Erlass gab, um eine Strafsache einzuleiten. Es war dies im Kontext der Kontroverse um die sogenannten freien Radios, als es noch keine gesetzliche Regelung hierzu gab. Auf Erlass des Ministers wurde ein Verfahren gegen den Betreiber eines freien Radios eingeleitet, und der Beschuldigte bekam eine Geldstrafe von 2501 LUF mit Strafaufschub. In dieser Angelegenheit hatte die Staatsanwaltschaft kein Verfahren eingeleitet, weil man der Meinung war, das betreffende Radio würde die öffentliche Ordnung nicht stören und vor dem Hintergrund, dass der Gesetzgeber im Begriff war, die Situation zu regeln.
Aber selbst im Falle einer Weisung ist der Staatsanwalt vor Gericht frei und kann in der Verhandlung das vortragen, was seine persönliche Überzeugung ist. Das Gesetz sagt: „La parole est libre.“
Schlusswort
Besuchen Sie bitte auch die Internetseite von Edy Krier. Er war einer der großen Pioniere der luxemburgischen Radioszene. Meine ersten Radioerfahrungen fanden im Alter von 13 Jahren bei Radio 104 in Monnerich statt. Auf der Seite von Edy Krier wird Radio 104 aus erster Hand vorgestellt.